Reduktionsmethoden

Werner Munter hat 1992 die erste sogenannte Reduktionsmethode eingeführt. Alle späteren Reduktionsmethoden wurden von der ursprüngliche Reduktionsmethode Werner Munter's abgeleitet.

Den Reduktionsmethoden gemeinsam ist, dass versucht wird sowohl das Risiko, als auch risikomindernde Faktoren zu quantifizieren, um zum Schluss zu einer eindeutigen JA/NEIN-Antwort zu gelangen. Die Methoden werden deshalb "Reduktionsmethoden" genannt, weil versucht wird mittels risikomindernder Faktoren das finale Risiko zu "reduzieren".

Die Reduktionsmethoden sind streng genommen nicht wirklich wissenschaftlich. So gibt es - nach unserem Wissen - keine wissenschaftliche Arbeiten zum theoretischen Fundament der Reduktionsmethoden. Immerhin wurden die Reduktionsmethoden mittels Unfall-Statistiken nachträglich plausibilisiert.

Leider gibt es eine Namenskonfusion zu den Reduktionsmethoden, deshalb hier eine kurze Übersicht:

A. Professionelle Reduktionsmethode von Werner Munter

Auch als elementare Reduktionsmethode bekannt.
Nach dieser Methode rechnet sich das finale Risiko aus einer Formel:

Akzeptiertes Risiko =
Gefahrenpotential dividiert durch risikomindernde Reduktionsfaktoren
.

Wenn das Akzeptierte Risiko kleiner als eins ist, darf die Route begangen werden, sonst nicht.

Das Gefahrenpotential kann direkt aus der Gefahrenstufe des Lawinenbulletins abgeleitet werden. Als risikomindernde Faktoren kommen Steilheit, Exposition, Häufigkeit der Begehung und Gruppengrösse zum tragen.

Reduktionsfaktoren (RF)

Nr. 1 oder
Nr. 2 oder

Nr. 3

steilstet Hangpartie 35-39° (weniger als 40°)

steilstet Hangpartie um 35°

steilstet Hangpartie 30-34° (weniger als 35°)

RF 2 erstklassig

RF 3 erstklassig

RF 4 erstklassig

Bei Erheblich muss ein erstklassiger Reduktionsfaktor gewählt werden!

Nr. 4 oder

Nr. 5 oder


Nr. 6


Nr. 7

Verzicht auf Sektor Nord: NW (inkl.) -N -NO (inkl.)

Verzicht auf nörliche Hälfte WNW  
(inkl.) - N-OSO  (inkl.)
Verzicht auf die im LLB genannten kritischen
Hang und Höhenlagen

ständig befahrene Hänge

RF 2 zweitklassig

RF 3 zweitklassig


RF 4 zweitklassig


RF 2 zweitklassig

Bei nassem Schnee sind alle zweitklassigen Reduktionsfaktoren ungültig !

Nr. 8 oder


Nr. 9 oder

Nr. 10

Grossen Gruppen mit Entlastungsabständen
(über 4 Personen)

Kleine Gruppen (2- 4 Personen)

Kleine Gruppen mit Abständen

RF 2 drittklassig

 

RF 2 drittklassig

RF 3 drittklassig

Formel

Gefahrenpotential


                                   

= kleiner als 1

RF x RF X RF


B. Goldene Regel Werner Munter 

Eine vereinfachte Form der professionellen Reduktionsmethode: Bei der Gefahrenstufe 3 (erheblich) braucht es drei Reduktionsfaktoren, davon einen erstklassigen, bei Stufe 2 (mässig) deren zwei, und bei Stufe 1 (gering) reicht dann noch ein Faktor. Die Reduktionsfaktoren sind gleich definiert, wie bei der Professionellen Reduktionsmethode.

C. Grafische Reduktionsmethode (GRM) der SLF

Wird mancherorts (bspw. auf den Seiten der SLF) ebenfalls als elementare Reduktionsmethode bezeichnet. Autor dieser im Jahre 2003 eingeführten Methode ist der Bergführer Stephan Harvey, Mitarbeiter der SLF (Die Alpen Nr. 2  / 2003). Durch Eintragung der Gefahrenstufe und der Hangneigung in eine Grafik wird klar, ob eine Stelle begangen werden darf oder nicht. Da die Gefahrenstufe ausserhalb der sogenannten Kernzone um eins herabgesetzt werden darf, sind auch die kritischen Expositionen und die kritische Höhe berücksichtigt. Das spezielle an der GRM ist zudem der Miteinbezug der Fernauslösefähigkeit. Je nach Gefahrenstufe muss die steilste Stelle in einem kleineren oder grösseren Bereich gesucht werden. Andere Faktoren werden ausser acht gelassen.