Pizzo Badile 3308 m Nordkante

Die Nordkante am Pizzo Badile gehört zu den Klassikern im Alpenraum.
Ich habe die Tour 5 mal durchgeführt.
Sie bietet anspruchsvolle Kletterei über eine der lohnendsten Kanten überhaupt.

Der Fels ist fest und gut und es lässt sich gut sichern, die Anforderungen an seine Begeher sind allerdings hoch:
Immerhin sind rund 25 Seillängen bis Schwierigkeit 5a+ an der Kante zu klettern.
Dabei muss man sich bewusst sein, dass die Kletterei nach oben hin anspruchsvoller wird was die Wegfindung und die Ausgesetztheit angeht. Bis ca. zur Hälfte der Tour kann man sinnvoll abseilen und so eine Rückzug machen, danach wird es sehr mühsam.
Wer die Tour so wie wir ohne Hüttenübernachtung machen möchte sollte sich der Strapazen bewusst sein. Denn wenn man die Kante hinter sich hat wartet noch ein sehr anspruchsvoller Abstieg der volle Konzentration erfordert und der lange Rückweg über 2 teilweise Weglose Pässe.

Ich habe die Tour auch in einem Tag absolviert, dann muss die Seilschaft sehr schnell und gut   sehr eingespielt sein.

Hier ein Tourenbericht wo wir uns 2 Tage Zeitgelassen haben:

1 Tag. ZUSTIEG: Wir starteten um 5.00h beim der Hütte Sasc Furä Hütte.
Über Felsplatten und Gras stiegen wir höher Richtung Viäl. Hier verlässt man den Wanderweg und steigt rechts des Grates über Blöcke höher. Über Platten (ca. 3a) steigt man in eine Scharte am Fuß des Grates. Hier befindet sich der Einstieg.ROUTE: Grundsätzlich folgt man immer der Kante. Am Beginn kann man auch etwas links klettern, es gibt BH. Hier haben wir dann gleich einige Kletterer überholt, oft klettern 5 Seilschaften in einer SL. Nachdem wir dieses Gewurschtel hinter uns hatten konnten wir hinter einer flotten Seilschaft nachklettern. Nach einigen leichteren SL kommt die Rischplatte, eine glatte Platte mit einem kurzen Aufschwung in der Mitte. Dieser wird rechts erklettert. Nun kommen einige 4c Seillängen bei denen immer wieder Zwischensicherungen vorhanden sind. An einem steilen Gratbuckel geht man nicht über das verlockende Band nach links sondern steigt rechts aufwärts. Hinter einem Block vorbei und durch einen Kamin zum Stand. Nun nach links senkrecht (Schlüsselstelle) queren an die Kante. Weiter hinauf zu einer fantastischen Platte. Nun nach rechts durch die schräge Verschneidung zu Stand hinter der Kante an 2NH. Extrem steil und ausgesetzt hinauf zu Stand. Nun weiter, am Grat, die Stände sind teilweise nicht mehr gebohrt, bis zum letzten markanten Felspilz am Grat. Hier links abwärts über ein sehr schmales Band in eine Scharte. Nun unschwierig zum Gipfel. (wir brauchten 6h)

ABSTIEG: Vom Gipfel in die Rinne hinab. Immer wieder abseilend (Schlingenstände) und abkletternd hinab. Grundsätzlich hält man sich im Abstiegssinn immer eher rechts. Unten erreicht man ein markantes Band mit Weg, hier nach rechts und nicht weiter abseilen. Der Weg führt auch kurz bergauf. So erreicht man ein Kreuz, von diesem durch Kamin 25m abseilen und danach noch 2x25m abseilen zum Wandfuß. (2h45min vom Gipfel).Weiter folgt man dem Blockgelände zur Gianettihütte.

2 Tag. Von der Hütte über Blockgelände hinauf in den Porcellizzo-Pass. Den Pickel für den jenseitigen Abstieg brauchten wir nicht, der Abstieg führt durch extrem brüchiges und schottriges Absturzgelände und ist sehr mühsam aber gut markiert. Man erreicht so den Wandfuß und somit das blockbedeckte Gletscherbecken. Über dieses weg- und markierungslos, am besten ziemlich gerade hinab. Achtung dass man nicht eine Spalte übersieht und samt Geröll hineinrutscht. Von den so erreichten Gletscherseen (kleine Lacken) jenseits über Wiesen hinauf bis man wieder einen Weg erreicht.
Über steile Hänge hinauf zum Biwak (offenbar gut gepflegt, eine Übernachtung wäre schon allein wegen der Nachmittagssonne lohnend).
Wir stiegen aber weiter hinauf, zuletzt mit Ketten gesichert in den Trubinasca-Pass. Jenseits noch ca. 30min entlang der Ketten abklettern bis zum Wandfuß.
Nun über einen Weg, ja es ist jetzt wirklich ein Weg, hinab in Wiesengelände. Nun ewig lange queren, teils in Geröll, teils in Wiese Richtung Sasc Furä. 

SCHWIERIGKEIT: 5a+ABSICHERUNG: +/++++, bis weit oben Standplätze und vereinzelt Zwischenhaken, hier und da ein NH oder fixer Friend.
Oben keine Stände mehr und daher anspruchsvoll, es gibt aber viele Köpfl, nicht alle sind fest. (Material: Halbseile (Rückzug), 5 Expressen, 5 Köpflschlingen, Friends und Keile, Pickel zum Stufenschlagen)
Beim Abstieg teils Schlingenstände, ein paar alte Reepschnüre zum verbessern schaden nicht.